Deutscher Gewerkschaftsbund

11.11.2014
Ortsverband Dülmen

Rosen als Erinnerung an den 9. November 1938

DGB

DGB Münster

Gut besucht war die Gedenkveranstaltung die der DGB-Ortsverband Dülmen gemeinsam mit der Stadt Dülmen und der Hermann-Leeser-Realschule auf den Eichengrünplatz durchführte. DGB, Stadt Dülmen und die Hermann-Leeser-Schule gedachten der Opfer des Novemberpogroms vom 9. November 1938 und erinnerten hierbei an die jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger der Stadt Dülmen, die diesem Pogrom zum Opfer fielen.

In einem Grußwort ging Bürgermeisterin Stremlau auf das Geschichtsträchtige Datum des 9. November ein, der für die Deutschen, durch den Fall der Berliner Mauer vor 25 Jahren, auch ein Tag der Freude sein kann. Dennoch muss das furchtbare Geschehen von 1938 in der Erinnerung wach gehalten werden, damit Ausgrenzung und Verfolgung in unserer Gesellschaft keinen Nährboden erhält.

DGB-Orts- und Kreisverbandsvorsitzender Ortwin Bickhove-Swiderski ging in seinem Vortrag konkret auf die schrecklichen Ereignisse der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 in Dülmen ein und erinnerte an die einzelnen Menschenschicksale in Dülmen und Rorup. Bickhove-Swiderski ging in seiner Rede auch auf die Zeit nach der Judenverfolgung ein und berichtete über prominente Nazigrößen aus Dülmen und Umgebung, die von der Nachkriegsjustiz, wenn überhaupt, recht rücksichtsvoll behandelt wurden. Zudem regte Bickhove-Swiderski an, das Mahnmal am alten jüdischen Friedhof am Lüdinghauser Tor zu überarbeiten, hier wären einzelne Daten nicht korrekt und einige Namen fehlen auf den Gedenkstelen.

Abgerundet wurde die stimmungsvolle Gedenkveranstaltung durch die Musik, vorgetragen von Kantor Christoph Falley und den Vortrag des Gedichtes, „Das Phänomen“ von Hanns-Dieter Hüsch, welches Schülerinnen und Schüler der Hermann-Leeser-Realschule rezitierten, die für ihre Darstellung, bei Gedenkveranstaltungen dieser Art sonst unüblich viel Beifall erhielten. Mit ihren Lehrerinnen Gerda Küper und Andrea Peine wurden dann die bereitgestellten Rosen verteilt, mit der Bitte, sie an den in Dülmen bekannten Stolpersteinen niederzulegen.

Das Phänomen (Hanns Dieter Hüsch)

Was ist das für ein Phänomen
Fast kaum zu hören kaum zu sehn
Ganz früh schon fängt es in uns an
Das ist das Raffinierte dran

Als Kind hat man's noch nicht gefühlt
Hat noch mit allen schön gespielt
Das Dreirad hat man sich geteilt
Und niemand hat deshalb geheult

Doch dann hieß es von oben her
Mit dem da spielst du jetzt nicht mehr
Das möcht ich nicht noch einmal sehn
Was ist das für ein Phänomen

Und ist man grösser macht man's auch
Das scheint ein alter Menschenbrauch
Nur weil ein andrer anders spricht
Und hat ein anderes Gesicht

Und wenn man's noch so harmlos meint
Das ist das Anfangsbild vom Feind
Er passt mir nicht er liegt mir nicht
Das ist das nicht und find ihn schlicht

Geschmacklos und hat keinen Grips
Und auserdem sein bunter Schlips
Dann setzt sich in Bewegung leis
Der Hochmut und der Teufelskreis

Und sagt man was dagegen mal
Dann heisst's: Wer ist denn hier normal
Ich oder er du oder ich
Ich find den Typen widerlich

Und wenn du einen Penner siehst
Der sich sein Brot vom Dreck aufliest
Dann sagt ein Mann zu seiner Frau
Guck dir den Schmierfink an die Sau

Verwahrlost bis zum dorthinaus
Ja früher warf man die gleich raus
Und heute muss ich sie ernähr'n
Und unsereins darf sich nicht wehr'n

Und auch die Gastarbeiterpest
Der letzte Rest vom Menschenrest
Die sollt man alle das tät gut
Spießruten laufen lassen bis auf's Blut

Das hamwer doch schon mal gehört
Da hat man die gleich streng verhört
Verfolgt gehetzt und für und für
Ins Lager reingepfercht und hier

Hat man sie dann erschlagen all
Die Kinder mal auf jeden Fall
Die hatten keinem was getan
Was ist das für ein Größenwahn

das lodert auf im Handumdrehn
Und ist auf einmal Weltgeschehn
Denn plötzlich steht an jedenm Haus
Die Juden und Zigeuner raus

Nur weil kein Mensch derselbe ist
Und weiß und schwarz und gelbe ist
Wird er verbrannt ob Frau ob Mann
Und das fängt schon von klein auf an

Und wenn ihr heute Dreirad fahrt
Ihr Sterblichen noch klein und zart
Es ist doch eure schönste Zeit
voll Phantasie und Kindlichkeit

Lasst keinen kommen der da sagt
Dass ihm dein Spielfreund nicht behagt
Dann stellt euch vor das Türkenkind
dass ihm kein Leids und Tränen sind

Dann nehmt euch alle an die Hand
Und nehmt auch den der nicht erkannt
Dass früh schon in uns allen brennt
Das was man den Faschismus nennt

Nur wenn wir eins sind überall
Dann gibt es keinen neuen Fall
Von Auschwitz bis nach Buchenwald
Und wer's nicht spürt der merkt es bald

Nur wenn wir in uns alle sehn
Besiegen wir das Phänomen
Nur wenn wir alle in uns sind
Fliegt keine Asche mehr im Wind

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