Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 64 - 04.12.2018
100 Jahre Novemberrevolution: „Mut der Matrosen anerkennen und würdigen“

Gewerkschaften feiern den 100. Geburtstag vom 8-Stunden-Tag

An die Novemberrevolution vor 100 Jahren erinnert der DGB-Stadtverband in Münster mit einer Diskussionsveranstaltung. Zu Beginn referierte der Historiker Prof. Dr. Rainer Pöppinghege über die Phase, die zum Ende des 1. Weltkrieges führte: Am 9. November 1918 weigerten sich Kieler und Wilhelmshavener Matrosen noch einmal in den Krieg hinaus zufahren. Der Versuch diesen Aufstand blutig zu unterdrücken, führte zur Revolution. In der Folge bildeten sich flächendeckend Arbeiter- und Soldatenräte, zu deren Errungenschaften das Frauenwahlrecht, Pressefreiheit, der 8-Stunden-Tag und das Betriebsrätegesetz zählten. Zudem wurde die Sozialisierung wichtiger Schlüsselindustrien und die Entmachtung der alten Eliten in Staat, Verwaltung und Militär gefordert. In Westfalen allerdings waren die mehrheitlichen Bauern- und Landarbeiterräte von revolutionär-sozialistischen Idealen weit entfernt.

Die Reichswehr, unterlag in Bewaffnung und Umfang aufgrund der Bedingungen des Versailler Vertrages 1919 starken Beschränkungen. Einer Demokratisierung der Truppe stemmten sich Reichswehrführung und Offizierskorps mit Unterstützung der konservativen Freikorps erfolgreich entgegen. Bevorzugt wurden Rekruten aus den vornehmlich konservativ geprägten ländlichen Gegenden Deutschlands.

Pöppinghege erinnerte an die historisch „offene Situation“ am Beginn der Weimarer Republik, deren Gründung sich dann durch die Wahl zur Nationalversammlung am 6. Februar 1919 vollzog. Es könne keineswegs eine gerade Linie von 1918 bis 1933 gezogen werden. 

Carsten Peters: „Der Mut der Matrosen, die den Befehl verweigerten und das sinnlose Töten beendeten, kann auch aus heutiger Sicht nicht hoch genug geschätzt werden und muss anerkannt und gewürdigt werden. Die Errungenschaften der Revolution wie Pressefreiheit, Frauenwahlrecht, Betriebsrätegesetz und 8-Stunden-Tag waren wichtige demokratische Erfolge. Zugleich muss daran erinnert werden, dass diese Erfolge – vor allem der gesetzlich festgelegte 8-Stunden-Tag schon bald Angriffen von Seiten der Arbeitgeber ausgesetzt war.“

Die Versammlung diskutierte im Anschluss an den Vortrag noch rege mit dem Referenten. Die Diskussion über Verlauf, Errungenschaften und den weiteren Verlauf der Geschichte und ihre Aktualität wird weiterdiskutiert. Das Wissen über die Bedeutung dieser Zeit muss wach gehalten werden.     


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